Hans Ziegenfuß
Hans Ziegenfuß (* 13. Dezember 1934 in Brünn; † 24. Februar 2025 in Passau) war ein deutscher Jurist und Faustballer. Von 1965 bis 1998 war er Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Niederbayern. In diesen über 30 Amtsjahren hat er maßgeblich den Wandel vom agrarisch geprägten Niederbayern hin zu einem modernen Industriestandort mit einer gewachsenen mittelständischen Handels- und Dienstleistungsstruktur geprägt. Ziegenfuß war verheiratet und hatte zwei Kinder. Zuletzt lebte er mit seiner Frau in Rittsteig. 1970 wurde er in die Lamplbruderschaft aufgenommen. 1968 wurde er Mitglied im Rotary-Club Passau, den er 1977/1978 als Präsident führte und später dessen Ehrenmitglied wurde.
Inhaltsverzeichnis
Leben und Wirken
Vertreibung, Studium und Berufseinstieg
Geboren im mährischen Brünn (heute Brno in Tschechien), kam Hans Ziegenfuß mit seiner Familie in Folge der Vertreibung aus dem Sudetenland nach dem Zweiten Weltkrieg über Pohrlitz und Stronsdorf nach Passau. Die erste Zeit lebte die Familie auf engstem Raum in der Lederergasse, doch die Eltern fassten beruflich schnell Fuß und übernahmen 1952 eine Gärtnerei in der Innstadt. Sie stellten ihre Ansprüche stark zurück, um dem einzigen Sohn eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Hans Ziegenfuß studierte nach dem Abitur am Passauer Gymnasium Leopoldinum Jura an der LMU München und hatte erst eine klassische Karriere bei Gericht vor Augen. Doch während der Referendariatszeit entwickelte er durch einen Nebenjob bei der IHK eine Affinität zur Wirtschaft. Nach dem Examen ging er 1962 zum Bayerischen Wirtschaftsministerium. 1964 wurde ihm die Stelle des Hauptgeschäftsführers der Industrie- und Handelskammer Niederbayern in Passau angeboten, die er zum 1. Januar 1965 annahm.
Als IHK-Hauptgeschäftsführer
Als Hans Ziegenfuß anfing, galt Niederbayern als "Notstandsgebiet": eine Arbeitslosenquote von bis zu 30 Prozent, kein Kilometer Autobahn, eine Bildungslandschaft, die beim Abitur endet. Diese ungünstige Ausgangslage hat Ziegenfuß gereizt, den Aufbau der Region mit voranzutreiben. Er setzte sich für die Realisierung der Autobahnen A3 und der A92 und die Gründung der niederbayerischen Hochschulstandorte, besonders der Universität Passau, ein. Zudem stand Ziegenfuß maßgeblich hinter der Gründung der IHK-Akademie, die 1994 unter seiner Ägide eröffnet wurde. Er griff den Fall des Eisernen Vorhangs und den EU-Beitritt Österreichs offensiv auf und machte die Öffnung der Märkte für die regionalen Betriebe nutzbar. Bis 1998 lenkte Ziegenfuß die Geschicke der Industrie- und Handelskammer Niederbayern, bis ein Herzinfarkt sein Berufsleben etwas früher als geplant beendete.
Letzte Lebensjahre
Bis zu einem Sturz wenige Monate vor seinem Tod war Ziegenfuß noch sehr aktiv. Obwohl er in Passau eine neue Heimat gefunden hatte, beschäftigte ihn die Vertreibung seiner Familie aus Brünn Zeit seines Lebens. Zu seinem 80. Geburtstag veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „Brünner Todesmarsch“. Mit diesem 60 Seiten umfassenden Werk lieferte er ein authentisches und wertvolles Zeitzeugnis, das die Vertreibung seiner Familie und die Integration in der neuen Heimat behandelt. Ziegenfuß wurde am 27. Februar 2025 auf dem Passauer Innstadtfriedhof beerdigt. Dabei waren unter anderem IHK-Präsident Thomas Leebmann, der Altpräsident der Universität Passau, Prof. Dr. Walter Schweitzer und Oberbürgermeister Jürgen Dupper anwesend, die die zahlreichen Verdienste von Ziegenfuß in ihren Trauerreden würdigten.
Sportliche Tätigkeiten und Erfolge
Schon als Kind begeisterte sich Ziegenfuß für den Faustball. Seit 1950 war er Mitglied im Turnverein Passau und absolvierte insgesamt an die 2.000 Spiele im Dress des TV Passau. Dreimal wurde Ziegenfuß deutscher Meister, unter anderem 1961. Er wirkte lange als Jugendtrainer und blieb auch nach seiner Zeit als aktiver Sportler dem Turnverein Passau eng verbunden, etwa als Mitglied des Ältestenrates. Daneben zählte Ziegenfuß auch zu den Gründungsmitgliedern des TTC Fortuna Passau und war Stockschütze.
Auszeichnungen
- Ehrenbürger der Universität Passau (1989)
- Ehrensenator der Universität Passau (1998)
- Bürgermedaille der Stadt Passau (2005)
- Bundesverdienstkreuz am Bande
- Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
- Bayerischer Verdienstorden
- Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft
- Silbernes Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich
- Ehrenmitglied im Rotary-Club Passau
Literatur
- Ronald Ziegler: Ziegenfuß: Gemeinsame Erfolge verbinden. In: Passauer Neue Presse vom 21.09.2012 (S. 38)
- PNP: Hans Ziegenfuß feiert heute 80. Geburtstag. In: Passauer Neue Presse vom 13.12.2014 (S. 6)
- Elke Zanner: 80 ausgefüllte Jahre. In: Passauer Neue Presse vom 13.12.2014 (S. 22)
- Mediengruppe Bayern: Ex-IHK-Hauptgeschäftsführer Ziegenfuß (90) gestorben. In: Passauer Neue Presse vom 25.02.2025 (S. 7)
- Wolfgang Lampelsdorfer: Letze Grüße an einen ganz großen Passauer. Trauergottesdienst für den langjährigen IHK-Hauptgeschäftsführer Hans Ziegenfuß. In: Passauer Neue Presse vom 28.02.2025 (S. 21)
| Vorgänger Dr. Hans Bauer |
Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern 1965 bis 1998 |
Nachfolger Walter Keilbart |